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DAS BUCH

Massimiliano Boschi, Hans Karl Peterlini, Adel Jabbar

Jenseits von Kain und Abel

Zehn Punkte fürs Zusammenleben – neu gelesen und kommentiert. In memoria di Alexander Langer 1995-2015

Alexander Langer hinterließ kurz vor seinem Tod „Zehn Punkte fürs Zusammenleben“, die als Verdichtung seines Friedens- und Versöhnungsprojektes betrachtet werden können. In diesem Buch wird Langers Hinterlassenschaft einer vielschichtigen Re-Lektüre aus unterschiedlichen Perspektiven unterzogen.


„Kain aber sagte zu seinem Bruder Abel: ,Komm und sie dir meine Felder an!‘ Und als sie draußen waren, fiel er über seinen Bruder her und schlug ihn tot.“ (Gen 4, 8)
Seit ihren Anfängen wirft die biblische Erzählung von Kain und Abel den düsteren Schatten des Brudermordes auf die Geschichte der Menschheit. Wie geraten Zerwürfnis und Hass unter die Menschen, wie kommt es, dass Menschen sich feindselig in Gruppen gegen andere zusammenschließen? Dies zu verstehen und Strategien für die Überwindung unversöhnlicher Blockbildungen zu suchen, war das Wasserzeichen der gesamten politischen Tätigkeit von Alexander Langer. Südtiroler von Geburt her, Weltbürger aus Entscheidung, hinterließ er kurz vor seinem Tod „Zehn Punkte fürs Zusammenleben“, die als Verdichtung seines Friedens- und Versöhnungsprojektes betrachtet werden können. In diesem Buch wird Langers Hinterlassenschaft einer vielschichtigen Re-Lektüre aus unterschiedlichen Perspektiven unterzogen.

Die Autorinnen und Autoren gehen auf je ihre Weise jenen gegenwärtigen Fragen nach, die Alexander Langer weitsichtig in den Blick genommen hatte. Langer hatte den „Dekalog“ unter dem Eindruck allmählichen Schwindens historischer Erbfeindschaften (etwa um Südtirol) und dem gefährlichen Aufkommen neuer Konflikte (damals am Balkan) geschrieben.
Die „Zehn Punkte“ bündeln Langers Erfahrungen als Begründer der interethnischen Bewegung in Südtirol und als EU-Friedensemissär am Balkan, weisen aber weit darüber hinaus bis in die Gegenwart: Die Unvermeidlichkeit von – häufig unfreiwilligen, oft aber auch bereichernden – Migrationserfahrungen stellt Europa vor die Aufgabe, neue Modelle für das Zusammenleben von Ethnien und Religionen in ökonomisch und sozial belasteten Gesellschaften innerhalb und außerhalb seiner Grenzen zu entwickeln. Es handelt sich um komplexe Zusammenhänge und Herausforderungen, die durch einfache Antworten nicht zu bewältigen sind. In diesem Sinne weisen Langers programmatische Punkte in ihrer sprachlichen Einfachheit und inhaltlichen Tiefe einen möglichen, ja den wohl einzig gangbaren Weg.
 

Beiträge von:

Massimiliano Boschi: Journalist, Corriere dell’Alto Adige
Irene Cennamo: Wissenschaftliche Mitarbeiterin Universität Klagenfurt
Gabriele Di Luca: Lehrer, Übersetzer, Essayist bei Corriere dell’Alto Adige
Riccardo Dello Sbarba: Journalist, Landtagsabgeordneter der Grünen, Verdi, Verc
Lorenz Gallmetzer: Journalist, ORF
Marita Gasteiger: Slawistin, 2012 Gewinnerin des Alexander-Langer-Dramaturgiepreises
Adel Jabbar: Soziologe, Experte für interkulturelle Mediation
Arno Kompatscher: Landeshauptmann des Landes Südtirol
Dietmar Larcher: Univ.-Prof. em., Erziehungs- und Bildungswissenschaftler
Valentino Liberto: Student der Politikwissenschaft an der Universität Pisa
Lisa Mazza: Kulturarbeiterin
Hans Karl Peterlini: Univ.-Professor für Erziehungswissenschaft und interkulturelle Bildung, Klagenfurt
Werner Wintersteiner: Deutschdidaktiker und Friedenspädagoge, Gründer des Zentrums für Friedensforschung und Friedenspädagogik, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

 

ZEHN PUNKTE FÜRS ZUSAMMENLEBEN

  1. Das gemeinsame Vorkommen mehrerer Volksgruppen wird immer häufiger der Normalzustand, nicht die Ausnahme sein; die Alternative lautet: entweder ethnische Ausgrenzung oder Zusammenleben
  2. Identität und Zusammenleben sind nicht trennbar; kein Zwang zum Einschluß, kein Zwang zum Ausschluß
  3. Gegenseitiges Kennenlernen, Dialog, Information, Interaktion: „je mehr wir miteinander zu tun haben, desto besser verstehen wir uns“
  4. Ethnic is beautiful? Ja, aber nicht eindimensional: es gibt auch noch andere gemeinsame Nenner (Umwelt, Geschlecht, soziale Anliegen, Freizeit …)
  5. Ethnische Zugehörigkeit so durchlässig als möglich machen, Zugehörigkeit und Mitmachen auf mehreren Seiten nicht ausschließen
  6. Pluri-ethnisches Zusammenleben muß auch sichtbar anerkannt werden: Rechtsordnungen, Symbole, Alltagsgesten müssen ausdrücklich das Heimatrecht für die Vielfalt verkörpern
  7. Rechte und Garantien sind wesentlich, genügen aber nicht; ethnozentrische Regeln fördern ethnozentrisches Verhalten
  8. Von der Wichtigkeit der Vermittler, Brückenbauer, Mauerspringer, Grenzgänger; es braucht „Verräter der ethnischen Geschlossenheit“, doch keine „Überläufer“
  9. Eine Grundvoraussetzung: Gewalt muß ausgeschlossen sein
  10. Vordenker und Vorläufer des Zusammenlebens: gemischte Gruppen



 

  • deutsch
  • 2015
  • pp 220
  • EUR 18,00